Die 3 ADHS-Typen bei Erwachsenen
- whyter
- 27. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Du denkst bei ADHS direkt an jemanden, der nicht stillsitzen kann, ständig redet und oft irgendwie „ein bisschen drüber“ ist?
Dieses Bild von Menschen mit ADHS ist in unserer Gesellschaft leider noch immer viel vertreten. Dabei ist ADHS ein Spektrum – nicht jeder Mensch mit ADHS hat die gleichen Symptome. ADHS kann sich ganz unterschiedlich zeigen: Manche Menschen wirken nach außen ruhig und organisiert, während in ihrem Kopf Chaos und Gedankenkarusselle herrschen. Andere hingegen sind impulsiv, energetisch oder springen schnell zwischen Themen und vielen Ideen. Oder man bemerkt beides, mal Chaos, mal Ruhe und Organisation.
Deshalb liegt uns am Herzen, über die drei ADHS-Typen zu schreiben und zu zeigen: ADHS ist vielfältig und kein Mensch passt zu hundert Prozent in eine Schublade. Total viele Menschen mit ADHS erkennen sich nämlich in mehreren Symptomen wieder.
Was bedeutet „ADHS-Typ“ überhaupt?
ADHS ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, bei der Fokus und Aufmerksamkeit, Steuerung von Impulsen und Regulation von Gefühlen anders funktionieren als bei neurotypischen Menschen.
Abhängig vom Auftreten der verschiedenen Merkmale, wird in drei ADHS-Typen oder auch Erscheinungsformen unterschieden. Hierbei gilt: diese Zuordnung ist nicht „in Stein gemeißelt“, denn ADHS-Symptome können sich im Laufe des Lebens verändern und vor allem im Erwachsenenalter zeigen sich die Symptome häufig deutlich anders als in der Kindheit. Das ist insofern erklärbar, als dass sich unsere Umgebungen und Systeme (Familie, Freunde, Bekannte, Job, Hobbies etc.) ebenfalls im Laufe unseres Lebens ändern und wir uns innerhalb unserer Systeme anpassen und verändern.
Es ist deshalb völlig normal, wenn du dich nicht klar einem der drei Typen zuordnen kannst. Sehr viele Menschen mit ADHS erkennen sich in vielen Bereichen und Symptomen wieder.
Typ 1: Der unaufmerksame Typ
Früher wurde dieser Typ als ADS bezeichnet. Heute wird dieser Typ, der unaufmerksame Typ, offiziell dem ADHS-Spektrum zugeordnet.
ADHSler:innen mit dieser Erscheinungsform kämpfen meist weniger mit äußerer Hyperaktivität. Das heißt allerdings nicht, dass sie nicht hochaktiv sind. Man merkt es ihnen womöglich nur nicht an, da sich vieles in ihrem Kopf abspielt und somit von außen oft nicht sichtbar ist. Denn der läuft ständig auf Hochtouren, alles wird zerkaut und hinterfragt, um 8 Ecken weitergedacht – ein Gedankenkarussell.
Besonders Frauen erhalten deshalb oft erst eine späte Diagnose Von außen wirken wir Frauen meist ruhig, angepasst, organisiert – oftmals der erlernten Rolle in unserer Gesellschaft entsprechend. Das kostet viel Kraft, und bleibt für andere oft unsichtbar.
Typische Merkmale können sein:
Probleme, den Fokus zu halten und sich zu konzentrieren
Aufgaben bis zum Ende zu erledigen, fällt sehr schwer
Abschweifen der Gedanken, Träumereien
Vergesslichkeit
Chaos im Alltag und im Kopf
Schwierigkeiten, sich zu organisieren und Dinge zu priorisieren
Typ 2: Der hyperaktiv-impulsive Typ
Hier sprechen wir sicherlich von dem Typ, den die meisten Menschen mit ADHS assoziieren.
Merkmale sind u.a. ein hoher Drang nach Bewegung, Impulsivität, große innere Unruhe und Anspannung, schnelles Sprechtempo, Ungeduld, Schwierigkeiten, andere im Gespräch aussprechen zu lassen (führt zu häufigem Unterbrechen) und das Bedürfnis, ständig „etwas zu tun“.
Viele ADHSler:innen beschreiben es, als würde ihr Gehirn ständig viele Tabs gleichzeitig geöffnet haben und zwischen diesen hin- und herspringen. Ruhe fühlt sich nicht gut und unproduktiv an, Pause machen und sich ruhig verhalten, ist für viele Menschen des hyperaktiv-impulsiven Typen kaum möglich.
Typ 3: Der kombinierte Typ
Der Typ, in dem sich die meisten Menschen mit ADHS erkennen, ist der kombinierte Typ.
Es bedeutet nicht, dass bei Menschen mit diesem ADHS Typ alle Merkmale ständig gleichzeitig stattfinden, sondern eher, dass sie – je nach Situation und Erlerntem – im Wechsel vorkommen. An manchen Tagen können sie sich kaum fokussieren und konzentrieren. Aufgaben fallen schwer, sie driften immer wieder ab. Dann gibt es andere Tage, da geraten sie in einen Hyperfokus, sind impulsiv, voll dabei und hochaktiv.
Kennst du das? Dienstags hast du 1000 neue Ideen und Projekte, willst sie alle direkt umsetzen, legst los und bist voll motiviert. Freitags bist du damit überfordert, die Spülmaschine auszuräumen, eine E-Mail mit einem Satz zu beantworten oder überhaupt irgendein To-Do auch nur anzufangen.
Exakt diese Kombination von Merkmalen macht ADHS oft so schwer greifbar. Die Symptome erscheinen oft widersprüchlich, gehören aber dennoch zusammen. Das ist oftmals der Grund, warum Menschen sich selbst nicht als ADHSler:in einschätzen und warum leider auch heute noch falsche Diagnosen gestellt werden. Oder warum Eltern sagen: „Das kann nicht sein, er/sie kann stundenlang puzzeln.“ Genau: der kombinierte ADHS-Typ kann das sehr gut, wenn ihn eine Tätigkeit ehrlich interessiert und er Spaß an einer Aufgabe hat.
Warum sich ADHS im Erwachsenenalter oft anders zeigt
Spätdiagnostizierte Erwachsene fragen oft, warum ihre Herausforderungen und Schwierigkeiten so spät auffallen oder erst so spät problematisch werden.
Einfache Antwort: Wir entwickeln über viele Jahre hinweg unsere ganz eigenen Strategien, um unseren Alltag zu meistern, in unseren Jobs zu bestehen und in die Gesellschaft zu passen. Wir erschaffen oder nutzen Ressourcen und Tools, mit denen wir uns organisieren, erinnern, ausruhen oder regulieren können. An dieser Stelle sei gesagt: das können ADHSler:innen ganz hervorragend. Denn an Kreativität und Ideen mangelt es den meisten Menschen mit ADHS nicht. Und dennoch kostet all das oben beschriebene viel Kraft und Aufwand.
Außerdem verändert sich Hyperaktivität mit zunehmendem Alter. Der sichtbare Drang nach Bewegung, das „Nicht-still-sitzen-können“ wird weniger. Dafür wandelt sie sich in eine permanente innere Unruhe und das Gefühl, dass der Kopf nie still ist. Viele Menschen mit ADHS haben dann körperliche Symptome wie ständige Verspannungen, Kieferpressen, Kopfschmerzen etc.
Was bedeuten die ADHS-Typen für den Alltag?
Diese drei ADHS-Typen können der Grund dafür sein, warum manche Situationen immer und immer wieder schwerfallen.
Womöglich fällt es dir schwer, Dinge zu organisieren. Womöglich reagierst du oft total spontan und impulsiv – und ärgerst dich danach, nicht vorher einen Moment nachgedacht zu haben. Vielleicht reagierst du hochsensibel auf Reize wie Geräusche oder Gerüche und hast Schwierigkeiten, dabei im Fokus zu bleiben und dich danach wieder zu sammeln.
Wer sich bereits mit unserer Haltung und Sichtweise auf ADHS beschäftigt hat weiß, dass wir um all das Beschriebene wissen, es sogar selbst jahrelang erlebt haben und teilweise noch immer erleben. Aber es liegt uns am Herzen, ADHS nicht nur defizitorientiert, sondern auch ressourcenorientiert zu sehen. Denn ADHS bringt eben auch viele positive Dinge mit sich.
Denn wenn das Umfeld und die Systeme die passenden sind, können viele Menschen mit ADHS ihre großartigen Eigenschaften und Stärken zeigen, wie z.B.:
Hohe Empathie
Die Fähigkeit, sich stark für etwas zu begeistern
Ideenreichtum
Kreativität
Die Kompetenz, Probleme unkonventionell und super wirksam zu lösen
Zusammenhänge blitzschnell zu erfassen
Besonderer Humor, für den sie sehr beliebt sind
ADHS ist nicht nur Herausforderung. ADHS ist vor allem ein Gehirn, das anders arbeitet.
Wie systemisches Coaching in Köln dich unterstützen kann
Zu wissen, welcher ADHS-Typ du bist, kann dir helfen. Und vielleicht beantwortet es bereits viele deiner Fragen. Aber deinen Alltag verändert dieses Wissen nicht automatisch. Genau hierbei kann dich ein ADHS-Coaching unterstützen.
Es geht im systemischen Coaching nicht darum, dass du dich radikal änderst oder dass du lernst, endlich „normal“ zu funktionieren. Wir schauen mit dir gemeinsam darauf, wie dein Alltag und deine Umgebungen zu deinen Bedürfnissen passen können. Und nicht andersherum.
whyter begleitet Menschen mit ADHS oder dem Verdacht auf ADHS dabei, ihre eigenen Verhaltensmuster und ihr Masking besser zu verstehen, ihre Ressourcen zu erkennen und zu nutzen und hilfreiche Strategien zu entwickeln.
Wenn du auf der Suche nach systemischem Coaching in Köln oder einem ADHS-Coaching bist, begleiten wir dich sowohl vor Ort als auch online – individuell, nicht in Schubladen gedacht, auf Augenhöhe und ohne starre Lösungen. Lass uns gemeinsam darauf schauen, was du gerade brauchst.
Buch dir ganz einfach und bequem einen Termin für ein Erstgespräch und schau, ob wir zusammenpassen. Wir freuen uns auf dich!
Fazit
Die drei ADHS-Typen sollen dabei helfen, ADHS greifbarer zu machen. Sie sind aber keine Schubladen, denn für jeden Menschen ist sein ADHS seine ganz eigene Realität.
Uns ist deswegen eine Frage viel wichtiger als die Typ-Frage: Was brauchst du, um ein leichteres Leben zu haben? Was brauchst du, damit es dir besser geht?
Denn da beginnt Veränderung. Wir wünschen uns für dich, dass du nicht weiter gegen dich und dein Gehirn arbeitest.
FAQs zu den 3 ADHS-Typen
Welcher ADHS-Typ kommt am häufigsten vor?
Der kombinierte Typ ist die häufigste Form von ADHS. Viele Menschen erkennen sich allerdings in mehreren Bereichen wieder, eine klare Zuordnung ist daher nicht immer möglich.
Kann sich der ADHS-Typ im Laufe des Lebens verändern?
Ja. Wie oben beschrieben: Erwachsene erleben ihre ADHS-Symptome meist verändert als in ihrer Kindheit. Allem voran nimmt die sichtbare Hyperaktivität häufig ab und zeigt sich stattdessen als innere Unruhe.
Ist ADS etwas anderes als ADHS?
Nach heutiger medizinischer Einordnung gehört ADS zum ADHS-Spektrum. ADS beschreibt vor allem den unaufmerksamen Typ – also die Menschen, bei denen vor allem Konzentrationsprobleme und Unaufmerksamkeit im Vordergrund stehen, ohne dass eine starke sichtbare Hyperaktivität besteht.
Kann systemisches ADHS-Coaching bei allen ADHS-Typen helfen?
Absolut. Denn systemisches ADHS-Coaching orientiert sich an dir uns deiner persönlichen Lebenssituation und nicht an einem bestimmten Typ. Im systemischen Coaching entwickelst du individuelle Strategien und entdeckst deine ganz eigenen Ressourcen, die zu deinem Alltag, deinen Herausforderungen und deinen Stärken passen.



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