Was ist ADHS?
- whyter
- 17. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 23 Stunden
Der Begriff ADHS kommt oft zusammen mit der Beschreibung des Gehirns, das nie zur Ruhe kommt, in dem tausend Gedanken parallel laufen und viele Tabs offen sind. Dann entstehen daraus Ideen, aber die kommen nicht immer da hin, wo sie eigentlich hinsollten. Daraus ergibt sich für ADHSler:innen oft das Bedürfnis, schnell aktiv zu werden, alles zu erledigen. Aber der Filter, der Gedanken und Aufgaben priorisiert und für Regulation sorgt, fehlt. Das führt schnell zu einem überreizten Nervensystem und Gefühlen wir Stress, Überforderung oder nicht gut genug zu sein.
Viele Menschen mit ADHS kennen das nur zu gut und es ist lediglich ein Teil der Herausforderungen und Besonderheiten, mit denen die meisten ADHSler:innen in ihrem Alltag leben.
Was aber auch stimmt, ist die Tatsache, dass ADHS auch viele Stärken mit sich bringt: blühende Phantasie und Kreativität, besonderes Einfühlungsvermögen, einen „7ten Sinn“ für Mitmenschen, eine Begeisterungsfähigkeit, die andere Menschen regelrecht mitreißen kann, die Fähigkeit zum Hyperfokus, um nur einige Skills zu nennen.
Was ist ADHS denn genau?
Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und ist im medizinischen Kontext eine neuroentwicklungsbedingte Störung und demnach keine Erkrankung. Viele Jahre lang wurde ADHS vor allem mit unruhigen Kindern, vorwiegend Jungs, in Verbindung gebracht. Man weiß aber mittlerweile, dass ADHS bei vielen Menschen erst im Erwachsenenalter bemerkt und diagnostiziert wird und vor allem, dass Mädchen und Frauen gleichermaßen betroffen sind.
Typische Symptome sind u.a. mangelnde exekutive Funktionen, Ablenkbarkeit, Impulsivität, Priorisierungsprobleme, fehlende Filter, so dass Menschen mit ADHS ihre Gefühle und Reize sehr intensiv und ungefiltert erleben. Das sind nur einige von vielen und natürlich auch individuellen Merkmalen, die ADHS mit sich bringt.
ADHS im Erwachsenenalter und ADHS bei Frauen
Etliche Erwachsene sind spätdiagnostiziert, weil sie im Laufe ihres Lebens gute Strategien und Muster etablieren konnten, um mit ihren Herausforderungen und Besonderheiten klarzukommen und in die Gesellschaft zu passen. Oft haben erwachsene ADHSler:innen sich ein funktionierendes Zeitmanagement, eine Tagesstruktur und ein Ordnungssystem angeeignet. Themen wie Prokrastination, Konfliktangst, mangelnder Selbstwert oder Hochsensibilität begleiten sie aber teilweise schon jahrelang und können schwer belasten.
Gerade bei Frauen wird ADHS häufig erst spät erkannt und diagnostiziert. Während das gesellschaftliche Rollenbild von Jungen und Männern mit einigen typischen ADHS-Symptomen eher vereinbar ist, lösen Mädchen und Frauen ihre Konflikte und Herausforderungen meist mit hohem innerem Aufwand. Von außen ist das oft nicht sichtbar. Das führte unter anderem dazu, dass ADHS bei Mädchen und Frauen Jahrzehnte lang nicht im Zentrum der ADHS-Forschung stand.
Was bei ADHS helfen kann
Vorweg: Es gibt nicht den einen Weg oder die eine Lösung, denn jeder Mensch ist individuell, mit eigenen Bedürfnissen und Gefühlen. Viele ADHSler:innen können durch die folgenden Dinge jedoch eine höhere Lebensqualität erreichen:
Medizinische Diagnostik
Medikation mit einem ADHS Medikament (z.B. Stimulanzien wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin)
Psychotherapie
Systemisches Coaching
Selbsthilfegruppen
Hilfsmittel zur Regulation und Reizfilterung (z.B. Fidget Toys, Kopfhörer, Bewegung, Entspannungstechniken, Achtsamkeitsübungen)
Wir möchten betonen, dass systemisches Coaching nie medizinische Behandlung ersetzt, darum geht es auch nicht. Beim systemischen Ansatz geht es nicht um Behandlung oder Beratung. Wir begleiten dich in deinem Prozess, helfen dir, deine Ressourcen für dich sichtbar zu machen und herauszufinden, wie du Zugriff auf sie erhältst.
Du kannst dir jederzeit ein unverbindliches Erstgespräch bei whyter buchen, um herauszufinden, ob ein systemisches Coaching in Köln oder online dich gerade unterstützen kann.
FAQs zu ADHS
Was sind typische erste Anzeichen von ADHS?
Frühe Anzeichen von ADHS können Konzentrationsschwierigkeiten, das Zerdenken von Situationen, Gesprächen, Begegnungen (auch Gedankenkarussell genannt), Vergesslichkeit und starke innere Unruhe sein, die sich bei vielen in körperlichen Beschwerden wie Kieferpressen, Zähneknirschen oder angespannter Körperhaltung widerspiegelt. Diese Hinweise können sich im Kindesalter aber auch erst als Erwachsene:r zeigen.
Kann ADHS im Erwachsenenalter plötzlich auftreten?
ADHS entsteht nicht plötzlich im Erwachsenenalter und ist meistens schon in der Kindheit da. Durch Anpassung, Maskierung und Strategien kommt es bei Menschen mit ADHS aber vermehrt dazu, dass ihre ADHS viele Jahre unentdeckt bleibt und somit nicht selten erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird.
Ist ADHS vererbbar?
Ja, weil ADHS zum Großteil genetisch bedingt ist. Heißt: Wenn ein Elternteil ADHS hat, ist die Wahrscheinlichkeit stark erhöht, dass auch eines oder mehrere Kinder ADHS haben. Viele Eltern merken deswegen erst im Rahmen der Diagnose ihres Kindes, dass sie selber ADHS-Merkmale zeigen. Auch das ist im übrigen ein häufiger Grund für Spätdiagnosen bei Erwachsenen.

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