ADHS ist kein Trend: Warum mittlerweile mehr Menschen eine ADHS-Diagnose erhalten
- whyter
- vor 5 Tagen
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„Früher hatte doch auch kaum jemand ADHS.“
Diesen Satz kennen viele Menschen mit ADHS. Und wenn man sich heute umschaut, kann tatsächlich der Eindruck entstehen: Plötzlich ist ADHS überall. Auf Social Media wird darüber gesprochen, immer mehr Erwachsene erhalten eine Diagnose und auch in den Medien ist das Thema deutlich präsenter.
Aber warum eigentlich? Haben heute wirklich mehr Menschen die neurologische Entwicklungsstörung ADHS? Die kurze Antwort: nicht unbedingt. ADHS ist nichts Neues und auch keine Modeerscheinung. Neu ist allerdings, wie wir darüber sprechen und was wir darüber wissen. ADHS wird heute besser erkannt. Gerade bei Erwachsenen und Frauen werden Merkmale wahrgenommen, die lange übersehen wurden.
Das verändert die Zahl der Diagnosen, aber es verändert nicht automatisch die Häufigkeit von ADHS.
Warum haben plötzlich so viele Menschen ADHS?
Es wirkt vielleicht so, weil ADHS heute viel sichtbarer ist. Lange gab es ein ziemlich eindeutiges Bild davon, wie ADHS aussieht: ein Junge, der im Unterricht nicht stillsitzen kann, dazwischenruft und ständig auffällt. Dieses Bild ist nicht unbedingt falsch, nur leider maximal defizitorientiert und längst nicht vollständig. ADHS kann nämlich auch ganz anders aussehen. Manche Menschen sind nach außen ruhig und angepasst. Sie haben gelernt, sich gut zu organisieren, planen vieles mehrfach oder investieren besonders viel Energie, um Schwierigkeiten auszugleichen. Von außen ist deshalb oft gar nicht zu erkennen, wie viel Kraft sie das kostet.
Gerade bei Frauen kann ADHS dadurch lange unentdeckt bleiben. Wenn Hyperaktivität weniger auffällt, weil sie im Innen stattfindet, und Schwierigkeiten stark kompensiert werden, wird eher nach anderen Erklärungen gesucht. Die Diagnose kommt dann manchmal erst Jahre später.
Dass heute mehr ADHS-Diagnosen gestellt werden, heißt also nicht automatisch, dass ADHS häufiger vorkommt. Es bedeutet vielmehr, dass mehr Menschen erkannt werden, die früher durchs Raster gefallen sind.
ADHS gab es schon immer
ADHS ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich beschrieben. Lange wurde allerdings angenommen, dass sich ADHS im Laufe des Erwachsenwerdens weitgehend verliert. Heute wissen wir, dass die Schwierigkeiten bei vielen Menschen bleiben. Sie sehen nur häufig anders aus.
Bei ADHS im Erwachsenenalter kann beispielsweise innere Unruhe im Vordergrund stehen. Manche Menschen kämpfen mit Vergesslichkeit, Schwierigkeiten bei Prioritäten oder Zeitblindheit. Andere erleben immer wieder emotionale Überforderung, Prokrastination oder Probleme mit Konzentration und Umsetzung.
Viele Erwachsene mit ADHS haben deshalb über viele Jahre das Gefühl, mit ihnen stimme etwas nicht. Sie wissen vielleicht, was sie eigentlich tun müssten. Und verstehen trotzdem nicht, warum es ihnen so schwerfällt, es umzusetzen. Das kann ziemlich zermürbend und frustrierend sein.
Warum gibt es heute mehr Diagnosen?
Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Forschung zu ADHS hat sich weiterentwickelt. Vor allem ADHS bei Erwachsenen und Frauen wurde stärker untersucht. Dadurch wurde deutlicher, wie unterschiedlich ADHS aussehen kann.
Auch Fachpersonen achten heute stärker auf ADHS bei Erwachsenen. Schwierigkeiten mit Konzentration, Organisation oder Impulsivität werden dadurch eher als mögliche Hinweise auf ADHS eingeordnet.
Gleichzeitig suchen Menschen selbst nach Antworten. Noch nie war es so einfach, sich über ADHS zu informieren. Ein Podcast, ein Beitrag auf Instagram, ein Buch oder ein Gespräch mit jemandem, der selbst ADHS hat, kann der Moment sein, in dem jemand denkt: Moment. Das kenne ich. Das ist keine Diagnose. Aber es kann ein Grund sein, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Auch die ADHS-Aufklärung verändert den Umgang mit dem Thema. Menschen sprechen über Erfahrungen, über Diagnosen und über Schwierigkeiten, für die ihnen früher vielleicht die Worte gefehlt haben. Das kann helfen, überhaupt erst auf die Idee zu kommen, dass hinter manchen Problemen mehr stecken könnte als fehlende Disziplin.
Ist ADHS überdiagnostiziert?
Das ist einer der häufigsten ADHS-Mythen. Ja, eine ADHS-Fehldiagnose ist möglich. Eine Diagnose sollte deshalb immer fachlich erfolgen und nicht anhand einiger Videos oder Social-Media-Posts.
Gleichzeitig wurde ADHS bei Erwachsenen lange eher übersehen als zu häufig erkannt.
Manche Menschen bekommen ihre Diagnose erst mit 30, 40 oder 50 Jahren. Bis dahin haben nicht wenige von ihnen jahrelang gehört, dass sie zu viel oder zu wenig und irgendwie nie richtig sind. Sie wurden oft nicht ernst genommen und ihnen wurde Disziplinlosigkeit oder Faulheit unterstellt. Wenn dann irgendwann ADHS diagnostiziert wird, kann das vieles in ein anderes Licht rücken. Nicht, weil plötzlich jede Schwierigkeit eine Erklärung hat. Sondern weil eine neue Perspektive entsteht. Eine Diagnose ist daher besonders für Erwachsene oft ein sehr wichtiger Moment und eine Chance.
ADHS auf Social Media: hilfreich oder problematisch?
Social Media hat dazu beigetragen, dass viele Menschen überhaupt mit ADHS in Kontakt kommen. Viele Menschen fühlen sich zum ersten Mal verstanden. Sie erkennen Erfahrungen wieder, für die ihnen bisher die Worte gefehlt haben. Aber ein Instagram-Post kann keine Diagnostik ersetzen.
Vergesslichkeit kommt bei Menschen mit ADHS vor, aber genauso bei neurotypischen Menschen. Dasselbe gilt für Unordnung, Prokrastination, Konzentrationsprobleme oder emotionale Reaktionen. Das alles bedeutet noch lange nicht, dass jemand ADHS hat.
Deshalb ist es wichtig, genauer hinzuschauen und beim Verdacht auf ADHS, einen Facharzt oder Therapeuten hinzuzuziehen, um eine vollumfängliche Diagnostik zu erhalten.
ADHS ist nicht nur schwierig
Über ADHS wird häufig entweder sehr problemorientiert gesprochen oder sehr positiv. Dann ist ADHS plötzlich eine „Superkraft“. Beides wird der Realität nicht gerecht.
ADHS kann anstrengend sein. Organisation, Zeitmanagement, Konzentration oder Emotionsregulation sind oftmals im Alltag echte Herausforderungen. Gleichzeitig bringen viele ADHSler:innen Fähigkeiten mit, die ihnen in bestimmten Situationen zugutekommen. Kreativität, Neugier, schnelle Ideen, vernetztes Denken oder eine starke Begeisterungsfähigkeit können dazugehören.
Das eine macht das andere nicht weniger wahr: ADHS ist mitunter eine große Herausforderung. Gleichzeitig gibt es Stärken und Fähigkeiten, in denen Menschen mit ADHS neurotypischen Menschen oft einen Schritt voraus sind und die sie auf ihre ganz eigene Art besonders machen.
Was kommt nach der Diagnose?
Eine Diagnose kann vieles erklären. Sie beantwortet aber nicht automatisch die Frage: Und was mache ich jetzt damit?
Vielleicht geht es darum, den eigenen Alltag anders zu organisieren und funktionierende Strategien zu entwickeln. Vielleicht darum, besser zu verstehen, warum bestimmte Situationen immer wieder schwierig werden. Oder darum, weniger gegen sich selbst zu arbeiten und zu lernen, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse nicht mehr als falsch wahrzunehmen.
Hier setzt systemisches Coaching bei whyter an: Es geht darum, die eigene Situation genauer anzuschauen. Welche Muster gibt es? In welchem Umfeld werden sie angewendet? Was funktioniert bereits? Wo liegen die eigenen Ressourcen? Und was könnte im Alltag konkret anders werden?
ADHS wird dabei nicht „weggecoacht“. Schließlich ist ADHS nicht heilbar, es verändert sich höchstens. Es geht vielmehr darum, einen Umgang damit zu finden, der zum eigenen Leben passt. Und vor allem geht es um mehr Leichtigkeit.
Du möchtest dein ADHS besser verstehen?
Womöglich hast du gerade erst deine Diagnose bekommen. Eventuell fragst du dich schon länger, ob ADHS eine Erklärung für bestimmte Dinge in deinem Leben sein könnte. Oder du weißt längst, dass du ADHS hast, suchst aber noch nach dem für dich richtigen Umgang damit.
Systemisches Coaching kann dabei helfen, die eigenen Muster besser zu verstehen und neue Strategien zu entwickeln. Ohne fertige Schablone. Ohne „Du musst dich einfach besser organisieren“. Sondern mit Blick darauf, was für dich funktioniert und was du brauchst.
Wenn du dich fragst, ob systemisches Coaching nach deiner Diagnose das richtige für dich ist, buch dir gern einfach ein unverbindliches und kostenloses Erstgespräch. Wir finden gemeinsam heraus, ob systemisches Coaching mit whyter zu dir passt.
Häufige Fragen
Kommt ADHS heute häufiger vor als früher?
Es gibt keine ausreichenden Hinweise darauf, dass ADHS grundsätzlich deutlich häufiger geworden ist. Ein wichtiger Grund für die steigenden ADHS-Diagnosen ist, dass ADHS heute besser erkannt wird. Besonders Erwachsene, davon viele Frauen, erhalten mittlerweile häufiger eine Diagnose, da ihre Schwierigkeiten und Herausforderungen früher möglicherweise anders eingeordnet wurden.
Ist ADHS ein Trend?
Nein. ADHS ist kein Trend. Die neurologische Entwicklungsstörung ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich beschrieben. Verändert hat sich vor allem die Aufmerksamkeit für das Thema und unser Verständnis davon, wie unterschiedlich ADHS aussehen kann.
Wer ADHS dennoch als Trend oder Modeerscheinung abtut, verkennt, dass viele Betroffene seit Jahren oder Jahrzehnten mit ganz realen Herausforderungen leben
und verharmlost damit ihre Erfahrungen.
Kann systemisches Coaching bei ADHS helfen?
Systemisches Coaching kann dabei unterstützen, eigene Muster zu verstehen, den Alltag anders zu strukturieren und Strategien zu entwickeln, die zur persönlichen und individuellen Situation passen. Es ersetzt ausdrücklich keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, kann ergänzend und unterstützend dazu jedoch sinnvoll sein.

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